Hermann Pohlmann – Erdskulptur 1989

Seit 1989 steht zwischen Rathaus und dem neu benannten New-Heaven-Platz in Borgholzhausen ein riesiges Kunstwerk aus drei riesigen Steinen und drei Metallplatten. Kunstwerke wirken einmal durch die Betrachtung und zum anderen aber auch durch zusätzliches Wissen, besonders dann, wenn Symbolik eine wichtige Rolle spielt. Deshalb hat der Kulturverien Borgholzhausen, auf dessen Betreiben die Plastik damals hier aufgestellt wurde, dafür gesorgt, dass zwei erklärende Tafeln aufgestellt werden.

 

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Auf der Tafel steht:

Erdskulptur von Herman Pohlmann 1989

Die Skulptur wurde 1989 vom Bildhauer und Anthroposophen Hermann Pohlmann (*1953) aus Osnabrück auf Veranlassung des Kulturvereins Borgholzhausen errichtet.

Sie besteht aus drei in die Erde eingelassenen, senkrecht in den Himmel ragenden Stelen und drei auf der andern Seite des Weges waagerecht im Rasen verlegten rechteckigen Eisenplatten.

Die in den Himmel ragenden Steine vertreten das Vertikale, geistige Prinzip, sie korrespondieren mit den beiden Kirchtürmen der Stadt. Die rauhen, unbehauenen, grob aus dem Felsen gesprengten Ibbenbürener Sandsteine – jeder etwa 4 Meter lang und ungefähr fünf Tonnen schwer – stehen für das aus der Ewigkeit heraus gewachsene Naturreich. Die drei Stehlen können als Akupunkturnadeln gedeutet werden, die so gesetzt sind, „dass sie den Mittelpunkt, die Erdmitte der Stadt treffen, um von hier aus wie eine Wärmeplastik zu wirken“.

Die flach am Boden liegenden Eisenplatten sind mit ihren rechten Winkeln Vertreter des materielllen Prinzips, der Horizontalen, der strengen Architektur, wie sie etwa in dem flachen Gebäude des Rathauses zum Ausdruck kommt. Sie symbolisieren das von Menschen geschaffene rationale Kunstreich.

Beide Teile zusammen bilden aus Horizontale und Vertikale ein Kreuz, Zukunft und Vergangenheit als Horizontale werden durch die Vertikale – die Gegenwart – getrennt.

Als drittes Element kommt der Weg durch die Skulptur hinzu. Der Mensch, der sich im Spannungsfeld dieser Gegensätze befindet, vollendet das Kunstwerk.

Der Standort für das Werk liegt nicht nur zentral als optischer Bildfang im Eingangsbereich des Rathauses, er steckt auch voller Symbolik. Die drei senkrechten Steine bilden mit den beiden Kirchtürmen ein etwa rechtwinkliges Dreieck. Sie erlauben eine Assoziation an Golgatha. Außerdem stehen sie auf einem ehemaligen Friedhof und gleichzeitig auf einer Achse zwischen dem ältesten Bestattungsort – dem Kirchhof – und der heutigen Begräbnisstätte.

In Osnabrück hat der Künstler etwa zeitgleich ein ähnliches weitläufiges Werk – am Westerberg und in der Katharinenstraße – geschaffen.

Text: Carl-Heinz Beune, 2014

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